Thesen

 

Auf dieser Webseite werden folgende Thesen vertreten:

  1. In der westfälischen Literatur des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit erscheinen häufig geschriebene Kurzvokale an Stellen, an denen im modernen Westfälischen eine Brechung der Kurzvokale in offener Silbe ("Westfälische Brechung") zu erwarten wäre. Da der Germanistik zufolge die altgermanischen Kurzvokale zu dieser Zeit längst aus dem Westfälischen verschwunden waren, hat man diese Kurzvokale als den schriftlichen Ausdruck der westfälischen Brechungen anzusehen (vgl. Westermann, 1524, Von Detten, 1597 und Münster, 1706).

  2. Die Unterscheidung von Dativ und Akkusativ der Personalpronomina, die heute nur noch am Südrand Westfalens vorkommt, lässt sich im 16. Jh. noch im Lippstädter und im Herforder Raum sowie in Ostfalen nachweisen (vgl. Westermann, 1524, Von Quernheim, 1589 und Wittenberg, 1528a). Das heutige Gebiet, in dem Dativ und Akkusativ der Personalpronomina unterschieden werden, ist somit der letzte Rest eines früher viel größeren Gebietes, (das vielleicht einstmals das ganze niederdeutsche Sprachgebiet umfasst hat).

  3. Der von Johan Bugenhagen herausgebene niederdeutsche Bibeltext ist im Umfeld der Universität Wittenberg entstanden (vgl. Geschichte der niederdeutschen Bibelübersetzung).

  4. Die von David Wolder vorgenommene Neuausgabe des Bugenhagenschen Bibeltextes bedeutete nur einen geringen Eingriff in den Wortlaut des Texts und schon gar nicht eine Übertragung in einen anderen Dialekt. Vielmehr hat Wolder die Rechtschreibung des Bibeltexts konsequent überarbeitet (vgl. Geschichte der niederdeutschen Bibelübersetzung).

  5. Es gab eine überregionale niederdeutsche Literatursprache, die am vollkommensten in der Sprache der niederdeutschen Bibelübersetzung zutage tritt. Die heutige vollständige Fragmentierung des Niederdeutschen trat erst ein, nachdem der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) die niederdeutsche Literatur zugrunde gerichtet hatte. (Vollständig erlosch die überregionale niederdeutsche Schreibsprache erst in der ersten Hälfte des 18. Jhs.)

 

Letzte Änderung: 2. Dezember 2017 Zurück