Auswahlbibliographie zur Geschichte der Herrschaft Rheda und des Amtes Reckenberg

 

1. Sekundärliteratur 2. Quellen 3. Karten

 

1. Annotation zum Grönegau 2. Annotation zu den Allmenden 3. Annotation zur Gografschaft Wiedenbrück

 

1. Sekundärliteratur

Böttger, Heinrich (1875-1876)
Diöcesan- und Gau-Grenzen Norddeutschlands zwischen Oder, Main jenseit des Rheins, der Nord- und Ostsee, von Ort zu Ort schreitend festgestellt, nebst einer Gau- und einer dieselbe begründenden Diöcesankarte / von Heinrich Böttger

  1. Erste Abtheilung. - Halle : Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1875. - 274 S.

  2. Zweite Abtheilung. - Hannover: Commissions-Verlag der Helling'schen Hofbuchhandlung, [1874]. - 414 S.
    Episcopatus Osnabrugensis Decanatus Widenbrugensis: S. 60.
    Pagus Grainga: S. 58-61.
    Siehe auch Addenda, S. 381-383.

  3. Dritte Abtheilung. - Halle : Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1875. - 376 S.

  4. Vierte Abtheilung. - Halle : Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1876. - 456 S.

In dieser monumentalen Studie wird der Versuch unternommen, die altgermanischen Gaugrafschaften (pagi), deren Existenz man im 19. Jh. allgemein annahm - Nicht zu verwechseln mit den mittelalterlichen Grafschaften (comitiae) und Gografschaften (gograviatus). - anhand der Grenzen der mittelalterlichen Bistümer und ihrer Untergliederungen für Niederdeutschland zu rekonstruieren.

Davon kann man halten, was man will. Außer einigen Namen, die auch einfach Landschaftsbezeichnungen sein könnten, erscheinen diese Gaugrafschaften nicht im mittelalterlichen Quellenmaterial.

Unzweifelhaft hingegen ist, dass die Grenzen der mittelalterlichen Bistümer und ihrer Untergliederungen in diesem Werke bis auf das einzelne Dorf genau festgestellt werden. Dem Leser dieses Werkes erschließt sich außerdem ein reicher Schatz an mittelalterlichem Quellenmaterial.

Der pagus Grainga
Es ist übrigens nicht auszuschließen, dass man im altgermanischen Grainga (dem Grönegau um Melle) den Vorläufer der späteren Gografschaft Melle vor sich hat. Der Grainga kann dann aber nicht noch dazu mehr oder weniger den ganzen heutigen Kreis Gütersloh und größere Teile des Kreises Herford umfasst haben, wie Böttger sich das vorstellt. (Vgl. die Karte in Droysens Allgemeinem Historischen Handatlas, die, was die Gaue betrifft, offensichtlich auf Böttgers Studien beruht.) Außerdem gibt es für einen derartigen Umfang dieses Gaues nicht in den geringsten Hinweis in den Quellen.

Der Grainga wird in einer Urkunde vom 8. Dezember 851 ("in pago Grainga in villa quae vocatur Kelveri") und einer Urkunde vom 25. April 859 ("in ducatu Westfalorum in pagis Grainga et Threcwiti") erwähnt. Vermutlich war der Grönegau in altgermanischer Zeit etwas größer als heute.

Für die Gleichsetzung des Grönegaus mit dem Grainga sprechen zwei Argumente:

Näher zu untersuchen bleibt, wann der hochdeutsche Name Grönegau aufgekommen ist. Im Stift Osnabrück gab es das Amt Grönenberg.

Die Gaue und die altsächsische Volksversammlung
Außerdem ist die altsächsische Volksversammlung, die alljährlich in Marklo stattfand, von Interesse, von der die Lebensbeschreibung des Heiligen Lebuins berichtet. Der Heilige Lebuin war ein Missionar angelsächsischer Abstammung, der im 8. Jh. eine Zeitlang im sächsischen Gebiet gewirkt hat. Während einer der Versammlungen in Marklo soll er selbst anwesend gewesen sein. In der Lebensbeschreibung des Heiligen Lebuins heißt es:

"Einen König hatten die alten Sachsen nicht, sondern durch die Gaue bestimmte Machthaber [Satrapae. Grafen?]. Es war Sitte, einmal im Jahr eine allgemeine Versammlung abzuhalten im mittleren Sachsen, in der Nähe des Flusses Weser an einem Orte, der sich Marklo nennt. Es pflegten dort alle Machthaber zusammenzukommen, außerdem aus den einzelnen Gauen zwölf gewählte Edele, ebensoviele Freie und ebensoviele Laten. Dort erneuerten sie Gesetze, richteten besondere Streitfälle und beschlossen im gemeinsamen Rate, was sie das Jahr über im Kriege wie im Frieden tun würden."
Vita Lebuini antiqua 4

Der Lebensbeschreibung des Heiligen Lebuins zufolge war der Gau eine politische Gemeinde, die Abgeordnete in die Volksversammlung entsandte. Angesichts der Verkehrsverhältnisse und der fehlenden Kommunikationsmittel im hohen Mittelalter können die Gaugrafschaften dann aber nicht größer als die meisten der heutigen Landkreise gewesen sein, wie Böttger sich das vorstellt. Die politische Willensbildung muss sich vielmehr in zahlreichen relativ kleinen (Verkehrs)gemeinschaften vollzogen haben, was sehr gut zu den allerdings erst viel später nachweisbaren Gografschaften passt, die tatsächlich politische Gemeinden waren, in denen auch gewählt wurde.

Die Herzöge
In altheidnischer Zeit bestimmte die sächsische Volksversammlung einen Herzog nur als Heerführer für die Dauer des jeweiligen Krieges. Zu Anfang des 8. Jhs. schrieb der angelsächsische Mönch Beda Venerabilis, der einer der größten Gelehrten seiner Zeit war:

"Einen König haben die Altsachsen [Die Sachsen auf dem Kontinent. O.B.] nämlich nicht, sondern viele Machthaber [satrapae. Gaugrafen oder Gografen?], die ihrem Volk vorgesetzt sind. Wenn ein Krieg heraufzieht, werfen sie unterschiedslos Lose und wen auch immer das Los angewiesen hat, dem folgen sie alle als ihrem Herzog für die Zeit des Krieges, und diesem gehorchen sie. Nach Beendung des Krieges sind alle Machthaber dann wieder mit gleicher Machtfülle ausgestattet."
Historia ecclesiastica gentis Anglorum V, 10

Der einzige Herzog aus altheidnischer Zeit, den wir namentlich kennen, ist Herzog Widukind. Herzog Widukind hat den Widerstand der Sachsen gegen Karl den Großen angeführt, solange die Sachsen zu koordinierter Kriegsführung fähig waren. Es folgte eine Phase der Unterdrückung und verzweifelter Volksaufstände, auf die das fränkische Besatzungsregime, mit Massaker und Deportation reagierte. Heutzutage würde man von einem versuchten Völkermord sprechen.

Die Volksversammlungen in Marklo fanden seit Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen nicht mehr statt. Sie waren verboten worden. In Artikel XXXIV der um das Jahr 780 von Karl dem Großen erlassenen Capitulatio de partibus Saxoniae heißt es:

"Wir haben hiermit allen Sachsen verboten, ganz allgemein öffentliche Versammlungen abzuhalten, es sei denn, dass unser Bote sie nach unserem Befehle aufgefordert hat, sich zu versammeln; sondern ein jeder Graf soll in seinem Amte Verordnungen erlassen und Recht sprechen, und die Priester sollen darauf achten, dass er es nicht anders macht."

Mit Kriegsrecht und Ausnahmezustand konnten die Sachsen aber auf die Dauer nicht befriedet werden. Im dem im Jahre 797 erlassenen Capitulare Saxonicum hob Karl der Große einige der zuvor erlassenen drakonischen Maßnahmen wieder auf. Die Sachsen sollten auch wieder nach eigenem Recht leben dürfen. Auf jeden Fall ließ Karl der Große die Lex Saxonum aufzeichnen.

Im 9. Jh. erscheinen während des Zerfalls des Frankenreiches in den Gebieten der ihrem Schicksal überlassenen germanischen Stämme wieder Herzöge. Über die Einzelheiten dieses Vorgangs ist nichts bekannt. Fest steht nur, dass Einfälle von Feinden aus fast allen Himmelsrichtungen Heerführer erforderten.

Im Gegensatz zum zentralistischen Frankenreich baute das im 10. Jh. wieder begründete Heilige Römische Reich auf die Stammesherzogtümer auf. Die Herzöge wurden vom König belehnt. Der Mönch und Geschichtsschreiber Widukind von Corvey schildert in Res gestae Saxonicae die dramatischen Ereignisse des 10. Jhs., die er zum Teil als Zeitzeuge und Abkömmling des sächsischen Hochadels selbst miterlebt hatte.

Erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war der sächsische Herzog und deutsche König Otto der Große, den Widukind persönlich gekannt haben muss.

Die Grafen
Die adeligen Grafen (comites) dürften ursprünglich vom Herzog belehnt worden sein. Sie entstammten nicht den Gografschaften, sondern sie wurden diesen vorgesetzt. Man kann sich die Lehnspyramide vom König angefangen über Herzöge und Bischöfe bishin zu den Grafen als den adeligen Oberbau der Gesellschaft vorstellen, der auf dem Unterbau der bäuerlichen Gogemeinden ruhte. Die vom Volke gewählten, aber anschließend vom Grafen bzw. vom Drosten belehnten Gografen waren das Bindeglied zwischen Oberbau und Unterbau.

Die sächsischen Heerschaften Westfalen, Engern und Ostfalen
Der Leser wird sich jetzt vielleicht fragen, warum ich die sächsischen Heerschaften Westfalen, Engern und Ostfalen nicht erwähne, die in den Quellen auch mitunter Gaue (pagi) genannt werden. Die Heerschaften waren drei Heere, die von den "Gauen" Westfalen, Engern und Ostfalen aufgeboten wurden.

Es steht außer Zweifel, dass die Wörter Westfalen, Engern und Ostfalen sehr weit in die Vergangenheit zurückreichen müssen. - Der Name Engern ist mit dem des germanischen Volksstammes der Angrivarier verwandt. Die Namen Westfalen und Ostfalen bedeuten wahrscheinlich soviel wie "westliche Ebene" und "östliche Ebene". - Die Frage ist aber, ob das für die gleichnamigen Heerschaften auch gilt. Diese werden zum ersten Mal von fränkischen Quellen erwähnt, nachdem der Krieg mit den Sachsen schon begonnen hatte. Ältere Quellen kennen die Heerschaften überhaupt nicht.

Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Befund zu erklären:

  1. Die sächsischen Heerschaften waren eine Schöpfung der Franken.

    Für diese Möglichkeit spricht der Umstand, dass die Heerschaften eigentlich nur im Capitulare Saxonicum und in der Lex Saxonum - Diese Quellen wurden erst nach der endgültigen Unterwerfung der Sachsen verfasst. - in einem Zusammenhang erwähnt werden, der erahnen lässt, dass die Heerschaften wirklich konkrete Funktionen hatten.

    Mit dem Zerfall des Frankenreichs im 9. Jh. müssen die Heerschaften diese Funktionen verloren haben. Gegen Ende des 9. Jhs. konnte der Poeta Saxo über die Westfalen, Engern und Ostfalen schreiben:

    "Die Namen bleiben bis heute, die ehemalige militärische Einsatzfähigkeit (virtus antiqua) ist dahin." (Annales de gestis Caroli Magni Imperatoris ad annum 772.)
    Der Sachsenspiegel kennt die Heerschaften überhaupt nicht mehr.

  2. Die sächsischen Heerschaften haben sich in Abwehr der Franken spontan herausgebildet.

    Für diese Möglichkeit spricht ein Eintrag in den Annalen des fränkischen Reiches, wonach Karl der Große den Westfalen im Jahre 775 eine schwere Niederlage beigebracht, Beute gemacht und sich Geiseln habe stellen lassen (Annales regni Francorum ad annum 775). Vielleicht ist dieser Eintrag aber auch so zu verstehen, dass Karl der Große einem Gau in Westfalen eine Niederlage beigebracht hat. (Er hätte dann nicht den Westfalen, sondern irgendwelchen Westfalen eine Niederlage beigebracht. Das Lateinische kennt weder einen bestimmten, noch einen unbestimmten Artikel.)

    Die lange Ausdehnung der drei sächsischen Heerschaften Westfalen, Engern und Ostfalen von Norden nach Süden (Vgl. die Karte.) war ungeeignet für eine schnelle Mobilisierung des Heerbanns, erinnert aber frappant an die Teilung des Frankenreiches in Westfrankenreich, Lothringen und Ostfrankenreich im Vertrag von Verdun (843).

Festzuhalten bleibt, dass die sächsischen Heerschaften als einsatzfähige militärische Einheiten etwa gleichzeitig mit dem Frankenreich aus der Geschichte verschwinden.


Eickhoff, Hermann (1882)
Der dreißigjährige Krieg in dem fürstbischöflich-osnabrückischen Amte Reckenberg und der Herrschaft Rheda : aktenmäßige Mitteilungen über die Geschichte des Krieges in unserer Gegend nebst anderem wichtigeren historischen Material aus früherer und späterer Zeit / veröffentlicht von Hermann Eickhoff, Gymnasiallehrer. Gütersloh. Druck von C. Bertelsmann. 1882. - S. 63


Eickhoff, Hermann (1897)
Osnabrückisch-rhedischer Grenzsteit (1524-1565) unter Berücksichtigung des Kirchspiels Gütersloh / von Prof. Eickhoff in Schleswig. Osnabrück : Druck von J. G. Kisling. 1897. - S. 90
(Sonder-Abdruck aus Band XXII. der Mittheilungen des historischen Vereins zu Osnabrück (1897))


Eickhoff, Hermann (1904)
Geschichte der Stadt und Gemeinde Gütersloh / von Hermann Eickhoff, Dr. phil. und Professor am Kgl. Gymnasium in Hamm. - Gütersloh : Druck und Verlag von C. Bertelsmann, 1904. - S. VIII, 325


Eickhoff, Hermann (1921)
Der Kreis Wiedenbrück in Vergangenheit und Gegenwart / dargestellt von Geh.-Rat Dr. Eickhoff. Herausgegeben vom Kreise Wiedenbrück. - Wiedenbrück : Druck von E. Holterdorf, [1921]. - S. 138, IV


Eickhoff, Paul (1876)
Kurze Geschichte des Klosters Herzebrock : Vortrag, gehalten zu Gütersloh am 9. März 1876. - Gütersloh : Druck und Verlag von C. Bertelsmann, 1876. - S.55


Klueting, Edeltraut (1986)
Das Kanonissenstift und Benediktinerinnenkloster Herzebrock / im Auftrage des Max-Planck-Instituts für Geschichte bearbeitet von Edeltraut Klueting. - Berlin ; New York : Walter de Gruyter, 1986
(Germania Sacra : historisch-statistische Beschreibung der Kirche des Alten Reiches N.F. 21 ; Das Bistum Osnabrück 1)
ISBN 978-3-11-010566-7


Lodtmann, Justus Friedrich August (1778-1789)
ACTA OSNABRUGENSIA. oder Beyträge zu den Rechten und Geschichten von Westfalen insonderheit vom Hochstifte Osnabrück. - Teile 1. - 3. - Osnabrück, gedruckt bey Johann Wilhelm Kißling, Hochfürstl. privil. Buchdrucker, 1778-1789

Zur gemeinsam genutzten Allmende bemerkt Lodtmann: "Jm Amte Reckenberg ist nur eine gemeine Mark, welche sich in die Herrschaft Rheda ausbreitet und deren vorzüglicher Theil das Oelbruch genannt wird." (vgl. Teil 1, S. 17).

Tatsächlich wurde im Wiedenbrücker Vertrag vom 9. Juni 1565, der die Einzelheiten der Trennung der Herrschaft Rheda und des Amtes Reckenberg regelte, vereinbart, dass die Allmende auch weiterhin gemeinsam genutzt werden sollte (vgl. Eickhoff, 1897, S. 82-83).

Es lässt sich nachweisen, welche Flurstücke Allmende waren: Nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches (1806) und dem Ende der napoleonischen Besatzung hat die preußische Bezirksregierung, die an die Stelle der westfälischen Territorien getreten war, die Allmenden teilen lassen, d.h. sie wurden privatisiert. Die Aufteilung einer Allmende wurde dann im preußischen Amtsblatt bekannt gemacht. Mit Hilfe dieser Informationen und der erstaunlich detaillierten Carte der Herrschaft Rheda (Anfang 19. Jh.) lässt sich die Lage mancher Allmende im Nachhinein bestimmen.

Folgende Bekanntmachungen von Teilungen von Almenden in der Herrschaft Rheda oder dem Amt Reckenberg sind mir bekannt:


Möser, Justus (1780-1824)
Osnabrückische Geschichte. - Berlin und Stettin, bey Friederich Nicolai. - Neue vermehrte und verbesserte Auflage

  1. Erster Theil, mit Urkunden. - 1780
  2. Zweyter Theil, mit Urkunden. - 1780
  3. Dritter Theil. Mit Urkunden. (Bisher noch ungedruckt und zu allen Auflagen passend.). - 1824

Ein Klassiker der Geschichtswissenschaft. Ausführliche Textausgabe der Quellen im Anhang.

Siehe zum Recht der Allmende Teil 1, S. 13-22.


Schaub, Hermann (2005)
Die Herrschaft Rheda und ihre Residenzstadt : von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches / Hermann Schaub. - Bielefeld : Verlag für Regionalgeschichte. - 2006. - S. 260
ISBN 978-3-8934-610-1


Stüve, Carl Betram (1853-1872)
Geschichte des Hochstifts Osnabrück : aus den Urkunden bearbeitet / von C. Stüve. - Jena : Friedrich Frommann

  1. Bis zum Jahre 1508. - 1853. - S. 481
  2. 1508 bis 1623. - 1872. - S. 880

Stüve, Carl Bertram (1870)
Untersuchungen über die Gogerichte in Westfalen und Niedersachsen / C. Stüve. - Jena : Druck und Verlag von Friedrich Frommann, 1870. - S. 151


Weddigen, Peter Florens (Hrsg.) (1787)
Beschreibung des Amts Reckenberg, und der Stadt Wiedenbrück im Hochstift Osnabrück
In: Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik. - Bd. 3 (1787). - S. 513 - 517


Weddigen, Peter Florens (1788)
Topographische Beschreibung der Stadt Rheda / Peter Florens Weddigen
In: Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik. - 4 Bd. (1788). - S. 340-345

 

 

2. Quellen

Büsching, Anton Friedrich (1761)
D. Anton Friedrich Büschings Neuer Erdbeschreibung dritten Theils erster Band, worinnen das Königreich Böhmen, der östereichische, burgundische, westphälische , churrheinische und oberrheinische Kreis beschrieben werden. Dritte Auflage. Hamburg, bey Johann Carl Bohn, 1761
(Hochstift Osnabrück: S. 646 - 667. Amt Reckenberg: S. 666 - 667. Herrschaft Rheda: S. 815.)


Chronik der Anna Roede (1. Hälfte des 16. Jhs.)
Anna Roedes spätere Chronik von Herzebrock / Franz Flaskamp
In: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte. - Jg. 68 (1970). - S. 75-146

Chronik des Klosters Herzebrock in niederdeutscher Sprache von der Stiftung des Kloster im 9. Jh. bis 1553. Hier eine Kostprobe.


Codex constitutionum Osnabrugensium
Codex constitutionum Osnabrugensium oder Sammlung von Verordnungen, gemeinen Bescheiden, Rescripten und anderen erläuterenden Verfügungen, welche das Hochstift Osnabrück betreffen. - Osnabrück : Kißling


Herzebrocker Heberolle (11. Jh.)
Die älteste Herzebrocker Heberolle / von Paul Eickhoff
In: Programm des Gymnasiums Wandsbeck 9/10 (1882/83). S. 1-19 und 1-16

(Steuerverzeichnis des Klosters Herzebrock. Die altsächsischen Namen vieler noch heute existierender Orte und Bauernschaften machen dieses Dokument zu einem wichtigen Denkmal der Sprachgeschichte.)


Herzebrocker Heberolle (13. Jh.?)
Die zweite Herzebrocker Heberolle / Joachim Hartig
In: Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung. - Jg. 94 (1971). - S. 30 - 40

(Steuerverzeichnis des Klosters Herzebrock.)


Klöntrup, Johan Aegidius (1800)
Handbuch der besondern Rechte und Gewohnheiten des Hochstifs Osnabrück : mit Rücksicht auf die benachbarten westfälischen Provinzen / von J. Aegidius Klöntrup. - Osnabrück : Bey Heinrich Blothe, 1800

  1. Band. Von A-E. - 345 S.
  2. Band. Von F-M. - 366 S.
  3. Band. Von N-Z. - 402 S.

Landgoding zu Wiedenbrück (1549), Holting der Mark Oelbrock (1549-1551), Herzebrock (1552)
In: Weisthümer. Dritter Theil / gesammelt von Jacob Grimm. - Göttingen : In der Dieterichschen Buchhandlung, 1842. - S. 107-121


Osnabrücker Bischofschronik von Erdmann, Erdwin (lateinischer Urtext)
In: Rervm Germanicarvm Tom. II. Scriptores Germanicos ab Henrico Meibomio Juniore e MStis primum publicatos recensitosque, & Notis alicubi illustratos continens, S. 195-264


Osnabrücker Bischofschronik von Erdmann, Erdwin (niederdeutsche Übersetzung aus dem 16. Jh., Ausgabe 1792)
Beschriuinge sampt den Handelungen der Bischopen van Ossenbrugge dorch den wolgelerten Erntvesten vnde Erbaren Heren Erdwin Erdmann der rechten Meister, Borgermeistern to Osenbrugge, colligeret to Latine, vnde van den erbaren, vorsichtigen vnde wisen Herrn Borgermeistern vnde Rait darsuluest to dudessche mit erer Besoldung transfereret. Anno XVcLIII.


Osnabrücker Bischofschronik von Erdmann, Erdwin (niederdeutsche Übersetzung aus dem 16. Jh., Ausgabe 1894)
Beschrivinge sampt den handelingen der hoichwerdigen bisschopen van Ossenbrugge


Tecklenburger Kirchenordnung (1543)
Der Graveschop und Herschoppen ect. Teckenborch, Linge und Rhede Gottliche und Christliche der hilligen Schrifft gemete und der Lantschop geleigen Ordinatio Artickels wise körtlich <vervatet>


Osnabrücker Kirchenordnung (1543)
Kerkenordnunge vor de Landtkerken des Stiffts Osenbrügge
In: Hermann Bonnus, Erster Superintendent von Lübeck und Reformator von Osnabrück. Nach seinem Leben und seinen Schriften berabeitet von Bernhard Spiegel, nebst bisher noch ungedruckten Anlagen, enthaltend: Die Kirchenordnung für die Landkirchspiele des Fürstenthums Osnabrück u.s.w. Leipzig. Roßberg' sche Buchhandlung. 1864. S. 134-139


Zeiller, Martin (1665)
Tractatus de X. circulis Imperii Romano-Germanici, Von den Zehen deß H. Römischen Teutschen Reichs-Kraisen / Darinn nicht allein / welche Stände zu einem jeden derselben gehörig; Sondern auch die Vornemste / und Bekanteste in solchen belegene Landschafften / Städt / und Oerter / kürzlich erzehlet; Auch andere Sachen mehr / und darunter sehr vieler Regenten Geschlecht-Registerlein / und jedes Stands Reichs-Anschlag / und Cammer Gebühr / auff gegenwertige Zeit (wie auß der vorigen und jetzigen Neuen Vorrede zu ersehen) gerichtet / mit eingebracht werden / Durch Martin Zeillern. Die Andere Edition. Jetzo wider fleißig übersehen / mit einem Neuen Anhang biß ietzige Zeit vermehrt / und einer schönen Carten der X. Kraiß geziret 1665. Jn Ulm / Verlegt durch Georg Wildeisen.
(Rheda: S. 806. Rietberg: S. 807. Wiedenbrück: S. 824.)

 

Urkunden

Möser, Justus (1780-1824)
Osnabrückische Geschichte. - Berlin und Stettin, bey Friederich Nicolai. - Neue vermehrte und verbesserte Auflage

  1. Erster Theil, mit Urkunden. - 1780
  2. Zweyter Theil, mit Urkunden. - 1780
  3. Dritter Theil. Mit Urkunden. (Bisher noch ungedruckt und zu allen Auflagen passend.). - 1824

Osnabrücker Urkundenbuch
Osnabrücker Urkundenbuch / Jm Auftrage des Historischen Vereins zu Osnabrück bearbeitet und herausgegeben von F. Philippi und M. Bär. - Osnabrück : Jm Selbstverlage des Vereins. Jn Commission der Rackhorst'schen Buchhandlung

  1. Band II. Die Urkunden der Jahre 1201-1250. - 1896. - 524 S.
  2. Band III. Die Urkunden der Jahre 1251-1280. Mit einem geschichtlichen Plane. - 1899. - 552 S.
  3. Band IV. Die Urkunden der Jahre 1281-1300 und Nachträge. - 1902. - 509 S.

Osnabrücker Kaiser- und Königsurkunden
Die Kaiser- und Königs-Urkunden des Osnabrücker-Landes / in Lichtdruck herausgegeben von Franz Jostes. - Münster i. W. : Druck und Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung, [1899]


Urkunde (1489)
Vom Wiedenbrücker Gografen Johann Dethmaers am 29. September 1489 ausgestellte Urkunde


Urkunde (1502)
Vom Wiedenbrücker Richter Johann Dethmars am 14. Januar 1502 ausgestellte Urkunde


Urkunde (1506)
Vom Wiedenbrücker Richter Johann Dethmars am 4. April 1506 ausgestellte Urkunde


Urkunde (1643)
Vom Wiedenbrücker Gografen Ahasver Eggers am 7. Oktober 1643 ausgestellte Urkunde


Urkunde (1655)
Von Bischof Franz Wilhelm von Osnabrück ausgestellte Urkunde mit Transfix: Vom Wiedenbrücker Gografen Otto Corber am 2. Oktober 1655 ausgestellte Urkunde


Westfälische Kaiserurkunden
Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen 777-1313 / kritisch, topographisch und historisch, nebst anderweitigen Documenten und Excursen von Roger Wilmans

  1. Erster Band : die Urkunden des Karolingischen Zeitalters 777-900. - Münster : Druck und Verlag von Friedrich Regensberg, 1867. - 570 S. : mit zwei litographierten Karten
  2. Zweiter Band: die Urkunden der Jahre 901-1234 : I. Abtheilung ; die Texte / bearbeitet von F. Philippi. - Münster : Druck und Verlag von Friedrich Regensberg, 1881. - 433 S. : mit Siegelabbildungen

Deductie (1774)
Deductie voor Jan Henrik van der Wyck heer van Stoevelaar, strekkende tot bewys, dat hy admissibel is in de ridderschap van de provincie Overyssel. Te Zwolle Gedrukt by Simon Clement, drukker van de edele mogende heeren staaten van Overyssel. 1774

Um zur Ritterschaft der Provinz Overijssel zugelassen werden zu können, erbringt der Bürgermeister von Zwolle, Jan Henrik van der Wyck, Belege seiner adeligen Abstammung:

Ein Gograf war befugt, Abschriften von Dokumenten zu beglaubigen.
Offensichtlich hatte der Bielefelder Rezess (1565) - Vgl. Annotation 3. - auch zur Teilung des Gogerichts Wiedenbrück in ein Gogericht des Amtes Reckenberg und ein Gogericht der Herrschaft Rheda geführt.

 

 

3. Karten

IMPERIUM ROMANO-GERMANICUM in suos CIRCULOS ELECTORAT. ET STATUS Summa cura et Studio divisum ... apud MATTH. SEUTTER. S.C.M. GEOGR. AUG. VIND. [1725]
(Das Heilige Römische Reich mit seinen Kreisen und Territorien.)


Totius Circuli Westphalici Accurata descriptio (um 1630)
(Der Westfälische Kreis mit Territorien.)


Circuli Westphalici in omnes suos status et provincias accuratè divisi Nova et exacta Tabula edita sumtibus Ioh. Baptistae Homann Noribergae (um 1720)
(Der Westfälische Kreis mit Territorien.)


Atlas Circulus Electoratus & Westphaliae
(Sammlung von Karten des Kurrheinischen Kreises und des Westfälischen Kreises und einzelnen Territorien im Westfälischen Kreis)


Episcopatuum Monasteriensis et Osnabrugensis et Comitatuum Bentheim, Teclenburg, Stenford, Lingen, Diepholt, Delmenhorst, Rietberg etc. etc. novissima et accuratissima Designatio (zwischen 1731 und 1741)
(Die Stifte Münster und Osnabrück mit angrenzenden Territorien.)


Delineatio episcopatus Osnabrugensis (1776/78)

Die Gografschaft Wiedenbrück
Das Stift Osnabrück. Der Kartenausschnitt zeigt das Amt Reckenberg. Die Karte zeigt außerdem, dass die zur Herrschaft Rheda gehörige Emsbauer in kirchlicher Hinsicht unter Wiedenbrück fiel.

Ich erblicke in diesem Befund eines unter weiteren Indizien, dass die Herrschaft Rheda und das Amt Reckenberg ursprünglich ein einziges zusammengehöriges Territorium waren, das unter der Oberherrschaft des Bischofs von Osnabrück stand und dessen Kristallisationspunkt das Gogericht Wiedenbrück gewesen war.

Im Jahre 1225 hatte der deutsche König Heinrich (VII.) dem Osnabrücker Bischof Engelbert die Gografschaften Osnabrück, Iburg, Melle, Dissen, Ankum, Bramsche, Damme und Wiedenbrück übertragen:

"Henricus Dei gratia Romanorum Rex, semper Augustus. Ad totius ignorantiae scrupulum resecandum notum facimus universis imperii fidelibus, quod dilectus Princeps et consanguineus noster Engelbertus Osnaburgensium electus a nostra postulavit excellentia, ut in quibusdam Villis sui Episcopatus, videlicet Civitate Osnabrugensi, Iburg, Melle, Dissen, Anckem, Bramesche, Damme, Wiedenbrugge judicium, quod vulgo Gogericht appellatur, ipse suique successores per Gogravios proprio per eos institutos libere exequantur, quod habeant liberiorem suorum subditorum excessus et insolentias corrigendi facultatem. Nos ergo cum ex suscepta cura regiminis promotionibus ecclesiarum intendere teneamur, et eas sui juris conservatione clementer confovere, memorati Prinicipis nostri E. petitioni pio concurrentes assensu in praenominatis Villis idem iudicium, quod Gogericht dicitur, sibi et suis successoribus de consilio Principum et fidelium nostrorum exequendi concessimus authoritatem. In cujus rei testimonium praesentem paginam exinde conscriptam sigilli nostri munimime dignum duximus corroborari. Datum Wormatiae III. Nonas Septembres Indictione tertia decima Anno Domini Millessimo ducentisimo XXV."
Fundstellen: Möser III, S. 273 und Osnabrücker Urkundenbuch II, S. 151. Zitiert nach Möser.

Im Protokoll eines Godings, der 1549 in Wiedenbrück stattgefunden hat, werden Teilnehmer aus den Kirchspielen Gütersloh, Herzebrock, Clarholz, Langenberg, Sankt Vit, Rheda und Wiedenbrück vermeldet (Grimm, 1842 S. 108). Das Gebiet, das ursprünglich unter das Gogericht Wiedenbrück fiel, also die Gografschaft Wiedenbrück ausmachte, wird in Stüve, 1870 S. 140-141 besprochen.

Ursprünglich werden die Gografen wohl völlig frei gewählt worden sein. In späterer Zeit hingegen wurden auf längere Zeit gewählte Gografen - Nicht solche Richter, die ad hoc zur Verurteilung von auf frischer Tat ertappten Straftätern (Räubern und Dieben) gewählt wurden. - vom Landesherren eingesetzt, ohne dass dadurch ein echtes Lehen entstanden wäre. In Sachsenspiegel I, 58 heißt es:

"Welke<n> gogreue<n> men belenen schole... En men auer kyset tho la<n>ger tydt / den schal de greue oder de marckgreue beleenen / vor deme gift men de achte".

Die Wahl des Wiedenbrücker Gografen dürfte spätestens seit 1225 der Bestätigung durch den Bischof bzw. durch den vom Bischof eingesetzten Drosten bedurft haben. In Wiedenbrück residierte ein Droste.

Der Bielefelder Rezess
Das Nebeneinander von osnabrückischer Verwaltung auf dem Reckenberge und gräflicher Herrschaft in Rheda führte zur allmählichen Herausbildung zweier Territorien, die ab 1524 in einen offenen Konflikt einmündete, der 1565 durch den Bielefelder Rezess beendet wurde. Erst ab diesem Zeitpunkt kann man von zwei vollständig getrennten Territorien sprechen. In Acta Osnabrugensia Teil 1, S. 302 wird vermeldet, dass die osnabrückische Seite noch 1550 beim Reichskammergericht zu Speyer die Auffassung vertreten habe, dass das Gebiet der Herrschaft Rheda unter die Hoheit des Stifts Osnabrück fiele.

Der Bielefelder Rezess zeigt, wie sehr die innere Ordnung des Heiligen Römischen Reiches durch den Feudalismus beeinträchtigt worden war. In Sachsenspiegel III, 53 heißt es:

"Men moth ock nen gerichte deylen,..." bzw. "No<n> licet alicui iudiciu<m> diuidere...".

Es ist unzulässig, einen Gerichtsbezirk zu teilen.

Der Text des Bielefelder Rezesses vom 27. März 1565 findet sich bei Eickhoff, 1897 auf S. 75-78, der Text des Wiedenbrücker Vertrages vom 9. Juni 1565, der die Bestimmungen des Bielefelder Rezesses näher ausführte, auf S. 78-84.

Territorien, die nicht geteilt werden durften
Es gab im Heiligen Römischen Reich territoriale Einheiten, die als unteilbar galten:

  1. Fahnlehen: Die alten Herzogtümer (ducatus), Markgrafschaften (marchionatus), Landgrafschaften (lantgravionatus) und Pfalzgrafschaften (palantzgravionatus).
    "Men scal ock thu rechte neine greueschap / noch hertichdom / noch marggreueschap deilen / dy vaenlehen is oder dat des rykes ambacht is."
    (Vgl. Glosse zu Sachsenspiegel III, 54.)

  2. Zepterlehen: Bistümer (episcopatus).
    "Bisschoppe gudt vnde vaenleen schal de koni<n>gk gantz lyen vnde nicht tweyen"
    (Vgl. Richtstich leenrecht XX.)

    In der Glosse zu Richtstich leenrecht XX heißt es: "Vaenleen is dat me<n> met der vane lyet. Bischop leen dat is dat men mit deme ceptro lyet / vnde is ein regal genant. Dat schal de koning gantz lyen / dat is dat he yt nicht tweyen schal"

  3. Reichsgut (bona regni).
    "Men scal ock thu rechte neine greueschap / noch hertichdom / noch marggreueschap deilen / dy vaenlehen is oder dat des rykes ambacht is."
    (Vgl. Glosse zu Sachsenspiegel III, 54.)

  4. Gerichtsbezirke (iudicia): Gografschaften (gograviatus).
    "Men moth ock nen gerichte deylen,..." bzw. "No<n> licet alicui iudiciu<m> diuidere..."
    (Vgl. Sachsenspiegel III, 53.)

Die Politik hat sich über das alles, besonders das Erstere, hinweggesetzt, war aber immer bestrebt, den Anschein des offenen Rechtsbruchs zu vermeiden.

Pfalzen, Fahnlehen und Bistümer in Norddeutschland
Zu den Pfalzen, Fahnlehen und (Erz)bistümern in Norddeutschland ("in deme lande to Sassen") heißt es in Sachsenspiegel III, 62:

"Vyff stede de palentzen heitet ligget in deme lande to Sassen dar de koning echte houe hebben schal. De erste ys Grona. De andere Werle / de ys to Goßlare geleget. Walhusen ys de drudde. Alstede ys de verde. Merseborch de veffte."
"Seuen vanleen sint ok in deme lande tho Sassen / Dat hertochdom to Sassen / vnde de palentze: De marke tho Brandenborch / De landtgreueschap tho Doringen / De marcke tho Myßne / De marke to Lusitz / De greueschap to Asscherßleue."
"Ok sint vier ertzebischopdome in deme lande tho Sassen / vnde veffteine andere. Deme van Magdeburch ys vnderdan de bischop van de Nuwenborch / vnde van de Merseborch / vn<de> de va<n> Misne vnde de van Brandenborch / vnd de va<n> van Hauelberge. De bischop va<n> Mentze heuet ver vnderdane<n> in deme lande to Sassen den bischop van Haluerstad / vnde den van Hildensem / vnde den van Verden / vnde den va<n> Palborne. De bischop va<n> Osenbrugge / vnde de van Minden / vnde van Munstere / de sin vnderdan deme va<n> Kolne. De ertzebischop van Bremen heuet vnde eme den van Lubeke / vnde den van Swerin / vnde de van Rateßburch."

Als (nieder)sächsisch galt:

  1. Das sächsische Stammland (Westfalen, Niedersachsen, Holstein) und Mecklenburg ("dat hertochdom to Sassen"), die Pfalzgrafschaft innerhalb des Herzogtums und das spätere Anhalt.
  2. Thüringen. (Ich gehe davon aus, dass Thüringen aufgrund seiner Lage an der Saale-Grenze in die sächsische Heeresorganisation integriert worden war.)
  3. Die Marken, die unter den sächsischen Kaisern östlich von Elbe und Saale eingerichtet worden waren.

Die Begriffe "niedersächsisch" und "obersächsisch" kamen erst in der Frühen Neuzeit auf. In der Glosse zu Sachsenspiegel III, 64 wird aber bereits das nach der Zerschlagung des Herzogtums Sachsen entstandene Herzogtum Braunschweig-Lüneburg wohl zur besseren Unterscheidung vom Herzogtum der Askanier "dat neddere hertochdom" genannt:

"... dat is dat hertechdom thu Sassen dat het nu dy neddere hertochdom / vnde het nu dy hertoge van Lüneborch."

Die Urkunde von 1225, durch die dem Bischof von Osnabrück die Hoheit über acht Gografschaften übertragen wurde, der dadurch nolens volens? endgültig zu einem weltlichen Fürsten wurde, ist vor dem Hintergrund der widerrechtlichen Zerschlagung des Herzogtums Sachsen (1180) zu sehen.

Ursprünglich war wohl eine Zweiteilung des Herzogtums geplant, bei der

  1. als ducatus Westphaliae et Angariae ("Herzogtum Westfalen und Engern") an den Erzbischof von Köln fallen sollte (vgl. die Karte.),

  2. der Rest des Herzogtums aber an den Askanier Bernhard von Anhalt.

Es zeigte sich bald, dass es leichter war, die bestehende Ordnung zu zerstören, als eine neue Ordnung herzustellen.

Um das nach der Zerschlagung des Herzogtums Sachsen (1180) entstandene Machtvakuum zu füllen, übertrugen die Staufer den Bischöfen in Westfalen und Niedersachsen hoheitliche Befugnisse. In wohl keiner Landschaft des Heiligen Römischen Reiches waren die Stifte, also die Gebiete, in denen ein Bischof die weltliche Herrschaft ausübte, größer als in Westfalen.

Der niederdeutsche Raum zerfiel schließlich in mehrere Bruchstücke:

  1. Das Gebiet zwischen Weser und Elbe



  2. Das Gebiet westlich der Weser


  3. Das Gebiet nördlich der Elbe: Schleswig-Holstein



  4. Das Gebiet nördlich der Elbe: Mecklenburg

  5. Das Gebiet östlich von Elbe und Saale


PADERBORNENSIS Episcopatus DESCRIPTIO NOVA Ioanne Gigante Ludense D. Med. et Math. auth. Amstelodami Guiljelmus Blaeuw excudit. [um 1630]
(Das Hochstift Paderborn, die Grafschaft Rietberg und Teile des Amts Reckenberg und der Herrschaft Rheda)


Landesgrenzen um 1801
In: Heimatkunde des Kreises Wiedenbrück / herausgegeben vom Kreisheimatbunde Wiedenbrück. - Gütersloh : Flöttmann, 1927


Karte der westfälischen Bistümer im Mittelalter


Karte der Bauernschaften im heutigen Kreis Gütersloh


Carte der Herrschaft Rheda
Die Herrschaft Rheda : eine Landesaufnahme vom Ende des Alten Reiches / Johannes Meier ; Jochen Ossenbrink. - Bielefeld : Verlag für Regionalgeschichte, 1999. - S. 80 ; 1 Karte
ISBN 3-89534-288-2
(Quellen zur Regionalgeschichte ; Bd. 4)

Ausgabe und Besprechung einer bis dahin unbekannten topographischen Karte der Herrschaft Rheda.

 

Zum Sachsenspiegel

Da ich mich in Annotation 3 zur Gografschaft Wiedenbrück wiederholt auf den Sachsenspiegel berufe, gebe ich an dieser Stelle einige Information zum Sachsenspiegel:

Der Sachsenspiegel ist eine Sammlung des sächsischen Gewohnheitsrechts, die der Jurist Eike von Repgow um 1230 verfasst hat.

Der Überlieferung nach hatte Eike von Repgow sein in jahrzehntelanger Arbeit gewonnenes Wissen auf Latein aufgezeichnet. Es heißt, der Lehnsherr Eikes von Repgow, Graf Hoyer von Falkenstein, habe diesen regelrecht zwingen müssen, sein Werk in die Volkssprache zu übersetzen. Eike von Repgow glaubte, solch eine Übersetzung ließe sich nicht machen.

Die Volkssprache dürfte in diesem Falle das Niederdeutsche gewesen sein. Burg Falkenstein jedenfalls liegt am nördlichen Rande des Harzes. Es war auch eine hochdeutsche Fassung des Sachsenspiegels im Umlauf.

Das Besondere am Sachsenspiegel ist, dass er nicht nur Landrecht (Zivilrecht und Strafrecht), sondern auch Lehnsrecht (das damalige Staatsrecht) enthält. Vielleicht hat Eike von Repgow bei der Aufzeichnung des Lehnsrechtes auf ein älteres Buch zurückgegriffen, dessen (Arbeits)titel Auctor vetus de beneficiis lautet.

Etwa hundert Jahre später hat Johann von Buch (einen großen Teil der) Glossen zum Sachsenspiegel verfasst. Möglicherweise geht auch der Richtsteig Landrechts, eine Sammlung des Verfahrensrechts zum Landrecht, auf Johann von Buch zurück. Vielleicht noch später entstand der Richtsteig Lehnsrechts, eine Sammlung des Verfahrensrechts zum Lehnsrecht.

In einigen Gegenden war der Sachsenspiegel bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 die Rechtsquelle schlechthin.

 

Ausgaben

Sachsenspiegel, lateinisch-niederdeutsch (Augsburg, 1516)
Sassenspegel mit velen nyen Addicien fan dem Leenrechte vnde Richtstige.

Der Text des Kolophons lautet: "Volbracht is also salichliken desse nuwe Sassenspegel / mit synen Additien / Jn der Keyserliken stat Außburch / des landes Schwauen / dorch Syluanum Othmer bůkprenther. Dorch verordeninge vnde Kosten des vorsichtigen heren Hanss Ren<n>man van Oringen / namhafftigester bůkfurer. Vnde volendet an vnser leuen Vrouwe<n> auent / den men nennet Lichtmyssen / Jn dem yar als men tellet na godes gebort .M.D. vnde xvij."


Sachsenspiegel, lateinisch-hochdeutsch (Augsburg, 1517)
Sachsenspiegel. mit vil newen Addicion<es>. sampt Lantrechts vnd Lehenrechts richtsteige. Jtem vil vrteilen<n> der werden schöpffen zů Magdenburg / in dreü bůcher geteilet / mit iren registern / den rechtübenden gar nutzlich zu wissen ect.

Der Text des Kolophons lautet: "Also ist saligklichen vollendt diser Sachsenspiegel / mit seinen Addition<es>. vnd Richtsteigen / in der Kayserlichen statt Augspurg / durch Siluanu<m> Otmar gedruckt / in verlegu<n>g vn<d> kosten des fürsichtigen hern<n> Johan<n> Ryn<n>man von Oringen Teutscher nation namhafftigsten bůchfürer / sambstag nach Georgij / als man zelet nach Christi geburt Tausendt Fünff hundert sibentzehne."


Sachsenspiegel, niederdeutsch-hochdeutsch mit Kommentar (Weimar, 1789)
Hieronymus Christoph Meckbach Commentar über den Sachsen-Spiegel, in welchem vom Staats- Lehn- Geist- Pein- und Bürgerlichen Rechte gehandelt, der Text auch aus denen Capitalaribus Regum Francorum, Rechts-Abschieden, Schwäbischen und Sächsischen Lehn-Rechte, Schwaben-Spiegel, Sächsischen Weichbilde und andern echten und reinen Quellen erkläret, mit Exempeln erläutert und einem Register der vornehmsten Sachen versehen worden ist. Zweite Ausgabe. Weimar, 1789. in Commission bey C.L. Hoffmanns Wittwe und Erben.

Weitere Ausgaben finden sich unter Niederdeutsche Literatur: Sachsenspiegel.

 

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Letzte Änderung: 15. April 2019 Zurück