TAXONOMIE

 

    Plautdietsch  
  Ostsächsisch (Ostniederdeutsch) >    
    Brandenburgisch  
       
    Mecklenburgisch-Vorpommersch  
  Nordsächsisch (Nordniederdeutsch) >    
    Nordniedersächsisch  
       
Sächsisch (Niederdeutsch) >     Eigentliches Ostfälisch
    Ostfälisch >  
      Ostengrisch
  Südsächsisch (Südniederdeutsch) >    
      Westengrisch (Ostwestfälisch)
    Westfälisch > Münsterländisch
      Südwestfälisch
       
    Westmünsterländisch  
  Westsächsisch (Westniederdeutsch) > Mundarten in den Niederlanden  
    Emsländisch  

 

Die Taxonomie niederdeutscher Mundarten ist von mir zur allgemeinen, schnellen Einordnung niederdeutscher Texte entworfen worden. Sie weicht von der in der Germanistik gängigen Einteilung ab. Die gängige Einteilung kam mir nie besonders konsistent vor. Offensichtlich werden in dieser verschiedene Einteilungskriterien auf dasselbe taxonomische Niveau angewandt, was natürlich nicht statthaft ist. Die Folge ist, dass der nahe Verwandtschaftsgrad bestimmter Mundarten wie z.B. der des Nordniedersächsischen und des Mecklenburgischen in der gängigen Praxis eher verschleiert als enthüllt wird. Ich habe darum eine eigene Einteilung entworfen. Diese will nicht mehr als ein praktisches Hilfsmittel sein.

Bei der Einteilung bin ich von der Entwicklung der altsächsischen Kurzvokale in offener Silbe und der Entwicklung der mittelniederdeutschen ê- und ô-Laute ausgegangen. Daneben hat auch das - zugegebenermaßen - subjektive Kriterium der Berührung mit anderen Sprachen bzw. das der Beharrung eine Rolle gespielt.

Die Bezeichnungen Westengrisch und Ostengrisch werden dem Leser gewiss merkwürdig vorkommen. Hierdurch soll die nahe Verwandtschaft des östlichen Westfälischen und des westlichen Ostfälischen zum Ausdruck gebracht werden. Diese äußert sich in: derselben Entwicklung der mittelniederdeutschen ê- und ô-Laute, Gemeinsamkeiten im Wortschatz und Diphthongierung der alten Langvokale. Das Gebiet dieser Mundarten stimmt - Zufall oder nicht - einigermaßen mit dem der altsächsischen Heerschaft Engern überein.

Natürlich könnte man die Taxonomie noch viel weiter ausarbeiten. Davon sehe ich aber ab, weil, je mehr man sich den eigentlichen regionalen bzw. lokalen Mundarten nähert, außersprachliche Einteilungskriterien wie z.B. die Zugehörigkeit zu einem historischen Territorium u.a. eine Rolle spielen.

Bei völlig konsequenter Anwendung der Kriterien ergibt sich folgendes Bild, das das hohe Alter und die Zersplitterung des Südsächsischen (Südniederdeutschen) zeigt:

 

  Entwicklung der Kurzvokale +
Berührung mit anderen Sprachen
Entwicklung der ê- und ô-Laute  
       
       
    Plautdietsch  
  Ostsächsisch (Ostniederdeutsch) >    
    Brandenburgisch  
       
    Mecklenburgisch-Vorpommersch  
  Nordsächsisch (Nordniederdeutsch) >    
    Nordniedersächsisch  
       
    Eigentliches Ostfälisch  
  Ostfälisch >    
    Ostengrisch  
       
Sächsisch (Niederdeutsch) >   Westengrisch (Ostwestfälisch)  
  Westfälisch > Münsterländisch  
    Südwestfälisch  
       
    Westmünsterländisch  
  Westsächsisch (Westniederdeutsch) > Mundarten in den Niederlanden  
    Emsländisch  

 

Sonderfall Engrisch?
Die durch die Entwicklung der ê- und ô-Laute gebildeten Gebiete befinden sich normalerweise innerhalb der Gebiete, die durch die Entwicklung der alten Kurzvokale in offener Silbe entstanden sind. Die Mundarten des Teutoburger Waldes und des Weserberglandes machen in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Dieses Gebiet mit einer einheitlichen Entwicklung der ê- und ô-Laute wird von der westfälisch-ostfälischen Sprachgrenze durchschnitten. Steht diese sprachliche Besonderheit in irgendeiner Beziehung zu der 1180 erfolgten Teilung des Herzogtums Sachsen, von der die Region westlich und östlich der Weser, das alte Engern also, in ganz besonderem Maße betroffen war?

 

Stand: 27. November 2014Zurück